Das künstliche Hüftgelenk
Das künstliche Hüftgelenk
Das Hüftgelenk und seine Aufgabe
Das Hüftgelenk wird auch als Kugelgelenk bezeichnet und bildet die Verbindung des Rumpfes mit den Beinen. Es besteht aus einer Hüftpfanne, die sich im Beckenknochen befindet, und einem Hüftkopf. Der Hüftkopf sitzt am obersten Teil des Oberschenkelknochens. Pfanne und Kopf sind bei einem gesunden Hüftgelenk mit einer Knorpelschicht überzogen. Das Gelenk selbst wird von einer Gelenkkapsel umgeben. Im Gelenkspalt (zwischen Hüftkopf und Hüftpfanne) ist Gelenkflüssigkeit, die bei jeder Bewegung ein reibungsloses Gleiten des Kopfes in der Pfanne ermöglicht.
Erkrankungen des Hüftgelenks
Schwere krankhafte Veränderungen können dazu führen, dass ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt werden muss. Die bekannteste und häufigste Ursache, die zur Erkrankung führt, ist die Arthrose (Abnutzungserkrankung). Zahlreiche angeborene und erworbene Erkrankungen sowie Verletzungsfolgen können ebenfalls zu einem vorzeitigen Verschleiß des Gelenks führen. Bei einem gesunden Hüftgelenk ist die Knorpelschicht eine glatte Fläche. Aufgrund des krankhaften Verschleißes bilden sich dort regelrechte Abstufungen, die einen gleichmäßigen Gelenkkontakt unmöglich machen. Es kommt zu Formveränderungen am Hüftkopf und an der Hüftpfanne. Die Knorpelschichten von Kopf und Pfanne reiben sich gegenseitig immer mehr ab. Dieser Vorgang führt zu Schmerzen bei Belastung, selbst schon bei kurzen Gehstrecken und schließlich auch im Ruhezustand. Die Beweglichkeit und damit auch die Lebensqualität nehmen immer mehr ab. Ein künstliches Hüftgelenk stellt dann die schmerzfreie Beweglichkeit wieder her.
Was ist ein künstliches Hüftgelenk?
Bereits im Jahre 1890 wurde vom „Urvater“ des künstliches Gelenkersatzes Dr. Themistocles Gluck erste Prothesen eingesetzt. Bei einer der erfolgreichsten und bewährten Operation werden in Deutschland mittlerweile mehr als 200.000 künstliche Hüftgelenke implantiert. Das künstliche Hüftgelenk besteht aus einer Pfannenschale zur Verankerung im Becken, einer Kugel zur Gelenkverbindung und einem Schaft der fest im oberen Oberschenkelknochen verankert ist.
Verankerung der Hüftprothese
Weitere Unterteilungen von Hüftgelenkprothesen gibt es aufgrund der Verankerung bzw. Befestigung. Man unterscheidet zwischen einem zementierten und zementfrei fixierten Gelenkersatz. Bei den zementierten Prothesen werden Prothesenschaft und -pfanne mit Zement verankert. Bei der zementfreien Version erfolgt die Verankerung durch das Einwachsen von Knochen in die Prothesenteile aus Titan. Im Marienkrankenhaus in Kaiserswerth wird diese Möglichkeit besonders häufig mit verschleißfreiem, bruchfesten Keramik kombiniert, um eine möglichst lange Haltbarkeit des künstlichen Gelenkersatzes zu erzielen.
Wie verläuft die Operation?
Die Hüftgelenkersatz-Operation wird für Sie völlig schmerzfrei in Teilnarkose (Rückenmarksbetäubung) oder in Vollnarkose durchgeführt werden. Der Anästhesist wird für Sie die geeignete Methode festlegen und mit Ihnen besprechen.
Die Operation dauert zwischen 30 und 90 Minuten. Nach dem Hautschnitt wird mit speziellen Wundhebeln die Muskulatur zur Seite gehalten und dadurch das Hüftgelenk dargestellt. Der Oberschenkelhals wird durchtrennt und der erkrankte, zerstörte Hüftkopf entfernt. Zur Vorbereitung für den Einsatz des künstlichen Hüftgelenks wird die kranke Hüftpfanne präpariert. Die künstliche Hüftpfanne wird in das vorbereitete Lager belastungsstabil eingesetzt.
Danach wird der Markraum des Oberschenkelknochens so geformt, dass der Schaft exakt eingepasst werden kann. Auf den Prothesenschaft wird der Prothesenkopf aufgesetzt. Nun kann das Gelenk auskugelsicher verbunden werden. Nach abschließendem Röntgenbild zur Qualitätskontrolle wird die Wunde wieder verschlossen.
Wie Sie sich nach der Operation verhalten sollten:
Im Krankenhaus lernen Sie mit Hilfe des Physiotherapeuten, Ihr Gelenk wieder zu benutzen, so dass Sie nach Ihrer Entlassung die täglichen Verrichtungen des Lebens, z. B. Körperwäsche und Anziehen, wieder selbständig erledigen können. Durch die Hüftgelenkoperation können Sie Ihr Leben wieder schmerzfrei und mit mehr Bewegung genießen. Vergessen Sie aber bitte nicht, Ihren Arzt in den nächsten Jahren regelmäßig zu Nachuntersuchungen aufzusuchen. Die Nachuntersuchungen sollten Sie in Ihren Prothesenpass eintragen, den Sie während des stationären Aufenthaltes erhalten.
Was besonders günstig für Sie ist
- Schwimmen und Radfahren
- Spaziergänge
- Sportarten mit leichten körperlichen Bewegungen z. B. Tanzen, Ski-Langlauf, Golf, leichte Gymnastik etc.
- Tragen von Schnürschuhen mit weichen, elastischen Sohlen
- Richtiges Anziehen der Schuhe
Gymnastik und Bewegung
Mit leichten physiotherapeutischen Übungen lernen Sie bereits im Krankenhaus, Ihr Gelenk wieder zu benutzen. Derartige Übungen sollten für Sie auch später, wenn Sie das Krankenhaus verlassen haben, ebenso zur Gewohnheit werden.
Was Sie unbedingt vermeiden sollten
In den ersten 12 Wochen nach der Operation sollten Sie alle extremen Belastungen der Hüfte vermeiden:
- Sportarten mit ruckartigen Stoß- und Schwerbelastungen auf das Hüftgelenk (z. B. Tennis, alpiner Skilauf, Jogging, Sprungsportarten, Heimfahrradtrainer gegen Widerstand etc.)
- Schwere körperliche Arbeiten
- Heben schwerer Lasten
- Arbeiten in häufig ungünstiger Körperhaltung sowie bei Nässe und Feuchtigkeit
- Sitzen auf niedrigen Stühlen oder tiefen Sesseln, da hierbei das Hüftgelenk übermäßig gebeugt wird
- Sitzen mit überschlagenen Beinen
- In die Hocke gehen
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