Das künstliche Kniegelenk
Das künstliche Kniegelenk
Das gesunde Knie
Das Kniegelenk mit seinen Bändern und Muskeln ist das größte Gelenk des menschlichen Körpers. Es bildet die Verbindung zwischen den längsten Knochen des Körpers, dem Oberschenkelknochen und dem Unterschenkelknochen. Das obere Ende des Unterschenkelknochens bildet der Schienbeinkopf. Auf der Gelenkfläche des Schienbeinkopfes sind die sogenannten Menisken gelagert. Diese halbmondförmigen, knorpeligen Strukturen haben eine Flächen vergrößernde, stabilisierende und dämpfende Funktion für das Kniegelenk. Der Bandapparat besteht aus Kreuzbändern und Seitenbändern, die zusätzlich für die Festigkeit des Knies sorgen. Um die Kraft des Oberschenkelmuskels auf die Unterschenkelmuskeln übertragen zu können, ist die Kniescheibe mit ihren Bandapparaten notwendig.
Wie funktioniert das menschliche Kniegelenk?
Das gesamte Knie ist von einer Gelenkkapsel umgeben. Der Bewegungsablauf des gesunden Kniegelenks ist kompliziert. Kommt es zur Erkrankung eines der Teile des Kniegelenks, kann die gesamte Funktionseinheit gestört sein. Das Kniegelenk hat eine gleitende Gelenkachse, die in fünf Richtungen bewegt werden kann. Im Wesentlichen handelt es sich um Roll- und Gleitbewegungen des Oberschenkels auf dem Unterschenkel. Dabei sind bei der Beugung des Kniegelenks leichte Drehbewegungen nach außen und innen möglich. Bei voller Streckung sind diese Beweglichkeiten aufgrund der Stabilität durch die Bänder gesperrt.
Wann ist ein künstlicher Gelenkersatz notwendig?
Ein künstlicher Gelenkersatz ist dann notwendig, wenn die Zerstörung des Knies so groß ist, dass ein Gelenk erhaltender Eingriff nicht mehr sinnvoll ist. Die Abnutzungserkrankung des Kniegelenks, die so genannte Arthrose, kann die Folge der altersmäßigen Abnutzung des Gelenkknorpels sein. Dies führt zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.
Ursachen für die Abnutzung können jedoch auch Fehlbelastungen durch Verformungen des Beines (O-Bein oder X-Bein), alte Verletzungen oder Entzündungen im Kniegelenk sein.
In der Folge reiben die geschädigten Knorpelschichten aufeinander. Wenn der Knorpel so weit abgerieben ist, dass der Knochen freiliegt, führt jede Bewegung zu Schmerzen. Die Gelenkinnenhaut produziert dann eine größere Menge Gewebeflüssigkeit, wodurch ein Gelenkerguss entsteht. Das künstliche Kniegelenk ersetzt die zerstörten Gelenkteile im Knie. Der heutigen anatomischen Anpassung stehen viele Größen und Formen zur Verfügung. Eine exakte Planung mit Röntgenbild und Messschablonen wird vor der Operation durchgeführt.
Die Knieprothese wird meistens durch den so genannten Knochenzement fixiert, der eine feste Verbindung zwischen Knochen und Prothese herstellt. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Knieprothese zementfrei fixiert wird. Diese Methode wird eher bei jüngeren Patienten angewandt. Welche Methode der Verankerung der Prothese für Sie richtig ist, wird Ihr Operateur festlegen. Je nach Fortschritt des durch Arthrose zerstörten, menschlichen Kniegelenks kann man zwischen drei Kniegelenksprothesen unterscheiden:
Der einseitige Oberflächenersatz (Halbschlitten)
Ist eine Seite des Kniegelenks zerstört, die Bänder, der andere Gelenkanteil und die Kniescheibe sind jedoch noch funktionsfähig, kann eine Prothese auf eine der Oberschenkelrollen aufgesetzt werden (Schlittenprothese). Diese gleitet dann bei der Bewegung des Knies auf dem Kunststoffblock, der, zusammen mit einem Metallunterteil, auf der entsprechenden Seite des Schienbeinkopfes aufgesetzt wird. Die Stabilität wird durch die erhaltenen Kreuz- und Seitenbänder gewährleistet.
Der komplette Oberflächenersatz (Vollschlitten)
Sind mehrere Teile des Kniegelenks (Knorpel und eventuell auch Kreuzbänder) durch Arthrose zerstört - die Seitenbänder müssen aber noch fest erhalten sein - wird eine Oberflächenprothese auf den Oberschenkelknochen gesetzt. Der Unterschenkelknochen wird wieder mit Metallscheibe und Onlay als Gleitfläche versorgt. Wegen der Vielfalt der Größe und Form des menschlichen Unterschenkelknochens besteht hier die Möglichkeit, durch Kombination der Größe des Implantats die Längs- wie die Querrichtung optimal abzudecken. Ausschlaggebend für die Festlegung des erforderlichen Kniegelenkersatzes ist der Umfang der Zerstörung der Gelenkanteile. Knorpelreste, unförmige Knochenteile und der Meniskus werden bei der Operation entfernt. Nachdem mit einer Probeprothese der korrekte Sitz und die gute Beweglichkeit des Kniegelenks überprüft wurde, wird die Originalprothese eingesetzt und fixiert. Die Kniegelenkersatz-Operation wird für Sie völlig schmerzfrei in Teilnarkose oder in Vollnarkose durchgeführt. Der Anästhesist wird die für Sie geeignete Methode festlegen und mit Ihnen besprechen. Die Operation dauert zwischen 50 und 90 Minuten.
Wie Sie sich nach der Operation verhalten sollten
Im Krankenhaus hilft Ihnen der Physiotherapeut, Ihr Gelenk wieder richtig zu benutzen, so dass Sie bei der Entlassung die täglichen Verrichtungen des Lebens (z. B. Körperwäsche, Anziehen) wieder selbständig erledigen können. Mit zwei Unterarmstützen lernen Sie das Gehen auf geraden Flächen und Treppen. Durch die Kniegelenkersatz-Operation können Sie Ihr Leben wieder schmerzfrei und mit mehr Bewegung genießen. Vergessen Sie aber nicht, Ihren Arzt in den nächsten Jahren regelmäßig zu Nachuntersuchungen aufzusuchen. Die Nachuntersuchungen sollten Sie in den Prothesenpass eintragen, den Sie bei Ihrem stationären Aufenthalt im Krankenhaus erhalten. Nachfolgend sind einige wichtige Verhaltensregeln aufgeführt. Haben Sie noch Fragen, dann wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Arzt, der Ihnen gerne weiterhelfen wird.
Nach der Entlassung aus der Klinik die erlernten krankengymnastischen Übungen fortsetzen
- Fuß richtig abrollen
- Stockstützen beim Gehen, die Dauer entscheidet jedoch Ihr Arzt
- Aufrechter Gang mit gleichlangen Schritten
- Tragen von Schnürschuhen mit weichen, elastischen Sohlen
- Körperlich leichte Tätigkeit im Wechselrhythmus
- Regelmäßige Spaziergänge auf gut ausgebauten Wegen
- Radfahren im Freien oder auf dem Heimtrainer
- Regelmäßiges Schwimmen mit Kraulbeinschlag oder in der Seitenlage
In den ersten 12 Wochen nach der Operation sollten Sie alle extremen Belastungen des Knies vermeiden:
- Stoßbelastungen
- Beinaufsetzen in O- oder X-Stellung
- Hocken oder Knien
- Stauchende Belastung
- Heben und Tragen von Lasten
- Überbelastung und große Kraftanstrengungen
- Gewichtszunahme, da dies zu einer vorzeitigen Auslockerung des Kniegelenks führen kann
- Schwere körperliche Arbeiten Sportarten mit Stoßbelastungen (Kampf-, Sprung-, Ballsportarten; Sportarten, bei denen es zu starker Beschleunigung und plötzlichem Abbremsen kommt,
z. B. alpiner Skilauf, Tennis, Bergsteigen usw.)
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