Allogene Meniskustransplantation

Das menschliche Kniegelenk besitzt in seinem Inneren zwei halbkreisförmige, in ihrem Querschnitt dreieckige Gebilde, welche als Menisci (sing.: Meniskus) bezeichnet werden. In ihrem äußeren Bereich sind die Menisci an der Kapsel des Kniegelenks, teilweise auch an den Seitenbändern verwachsen. Der innere, spitz auslaufende Rand zeigt in die Mitte der femorotibialen Kontaktflächen. Bei Beugung des Kniegelenks kommt es zu einer leichten Verschiebung der Menisci in antero-posteriorer Richtung, die Menisci folgen der Roll-Gleitbewegung der Tibia. 

Der komplette Verlust eines Meniskus, besonders des äußeren, führt nach Jahrzehnten bei entsprechender sportlicher Aktivität zur verstärkten Abnutzung des Gelenkknorpels und zur Arthrose. Zudem empfinden manche Patienten ein anhaltendes Unsicherheitsgefühl mit Schmerzen bei vielfältigen Tätigkeiten, auch geringeren Belastungen. 

In diesen Ausnahmefällen kann bei jüngeren Patienten eine Meniskustransplantation angezeigt sein. Voraussetzung ist ein gut erhaltener Gelenkknorpel ohne Arthrosezeichen und eine korrekte Beinachse. Zudem sollten typische Beschwerden vorliegen, eine arthroskopische Operation ist in der Regel bereits erfolgt.

Operationstechnik

Die besten mechanisch Voraussetzungen bieten humane Meniskustransplantate, welche post mortem entnommen und in Gewebebanken aufbereitet werden. In Ländern mit Verfügbarkeit hat sich die Verwendung tiefgekühlter, nichtbestrahlter Menisci etabliert, welche heute meist mit kleinen anhängenden Knochenblöcken arthroskopisch in das betroffen Kniegelenk eingesetzt werden (Abb. 2b). Alternativ kann auch via Arthrotomie und Seitenbandlösung die Implantation erfolgen. Der störende Gelenkspaltschmerz besonders jüngerer Patienten mit meist lateral kompletter Meniskektomie kann mit dem Eingriff in der Regel gebessert oder behoben werden, hinsichtlich einer langjährigen Verhinderung der Arthrose liegen bisher keine stabilen Studien vor. 

Der Eingriff erfordert einen stationären Aufenthalt von 2 bis 4 Tagen. Problematisch ist die Verfügbarkeit entsprechender Transplantate.

Ersatzmenisci aus Kollagen (CMI)?

Alternativ können bei teilweisen Meniskusdefektsituationen Kollagenfasergerüste (CMI) eingenäht werden, welche dann schrittweise mit eigenen Zellen (Fibrozyten) besiedelt werden und ein meniskusähnliches Gewebe produzieren. Dieser Eingriff kommt für jüngere Patienten mit Teilmeniskusentfernung in Frage, wobei unabhängige und stabile Studien, welche einen signifikanten Vorteil nachweisen, zurzeit nicht vorliegen. Das Hauptproblem ist, dass Patienten nach einer Teilentfernung des Meniskus in der Regel beschwerdefrei sind, Patienten mit einer totalen Entfernung aber besser mit einer autologen Meniskustransplantation behandelt werden sollten.

Abb.1 a, b: Autologe Meniskustransplantation. In Abbildung (a) ist ein Zustand nach kompletter Meniskusentfernung lateral erkennbar. In (b) wurde arthroskopisch das allogene Meniskustransplantat eingebracht, dessen Oberseite zur Orientierung des Operateurs farbig markiert wurde. Mit Tasthaken und Traktionsfäden wird der Meniskus an die optimale Position gebracht und mit Nähten fixiert.

Abb.2 a, b: Einsetzen eines CMI-Kollagen-Ersatzmeniskus: Zunächst Ausmessen der notwendigen Transplantatgröße (a). Der eingesetzte Ersatzmeniskus wird mit Nähten entsprechend fixiert und kann so anheilen (b).