Bau und Funktion der Menisci

Das menschliche Kniegelenk besitzt in seinem Inneren zwei halbkreisförmige, in ihrem Querschnitt dreieckige Gebilde, welche als Menisci (sing.: Meniskus) bezeichnet werden. In ihrem äußeren Bereich sind die Menisci an der Kapsel des Kniegelenks, teilweise auch an den Seitenbändern verwachsen. Der innere, spitz auslaufende Rand zeigt in die Mitte der Kontaktflächen zwischen Ober- und Unterschenkel (Abb.1). Bei Beugung des Kniegelenks kommt es zu einer leichten Verschiebung der Menisci, welche der Roll-Gleitbewegung des Kniegelenks folgen.

Abb. 1: Kernspintomografischer Schnitt durch einen Meniskus mit Darstellung der Gefäßversorgung. Das kapselnahe Auftreten von Gefäßen verbessert die Heilungsmöglichkeiten bei Rissbildungen in diesem Bereich, hier kann eventuell eine Naht erfolgreich sein.

Die Menisci bestehen aus Faserknorpel, dessen innere Struktur durch eine vorwiegend ringförmig angeordnete Faserstruktur gekennzeichnet ist. Einer axialen Lasteinwirkung können diese ringartigen Strukturen wie ein Gürtel entgegenwirken und das Meniskusgewebe vor dem „Auseinanderquetschen“ bewahren. Die äußeren, kapselnahen Anteile des Meniskus werden von Gefäßen, die inneren Teile durch Diffusion versorgt. Das Heilungspotential bei Rissbildungen ist daher im gefäßversorgten Teil des Meniskus gut, peripher zur Spitze jedoch schlecht.

Können Meniskusrisse heilen?

Einige Meniskusrisse besitzen ein gutes Heilungspotential, welches entsprechend genutzt werden kann (Abb.1). Durch Nähte wird der Meniskus soweit stabilisiert, dass eine Einblutung sich in eine Vernarbung umwandeln kann. 

In der Regel entstehen nahtfähige Risse durch plötzliche, hohe Krafteinwirkungen auf den Meniskus, zum Beispiel in Zusammenhang mit Bandverletzungen des Kniegelenks. Besondere Bedeutung besitzen innere Längsrisse hinten, oft sind diese Folge eines akuten oder veralteten Kreuzbandrisses. 

Bildgebung

Im Röntgenbild sind Meniskusrisse nicht zu erkennen. Eine Darstellung der Menisci kann durch die Kernspintomografie (MRT) erfolgen. Meist kann man in der Kernspintomografie auch abschätzen, inwiefern Risse nahtfähig sind oder von allein heilen. Eine Anzeige zur MRT-Untersuchung besteht bei sonst nicht eindeutiger Befundkonstellation.

Operationstechnik

Falls möglich, sollte wegen der mechanischen Funktion der Menisci die Rekonstruktion angestrebt werden. 

Angezeigt ist die operative Meniskusnaht (Refixation) bei instabilen Rissverhältnissen, kleinere (unter 1cm) traumatische Läsionen heilen meist spontan. 

Zur Meniskusnaht werden entweder Fäden mit Knoten oder resorbierbare Implantate verwendet. Die anspruchsvolle Operationstechnik hat zur Entwicklung zahlreicher Modifikationen geführt, welche den Eingriff vereinfachen sollen. Trotzdem muss aus biomechanischer Sicht die Applikation von Vertikalnähten mit geflochtenen Fäden als das stabilste und im Zweifelsfall zu präferierende Verfahren angesehen werden (Abb. 2). Im schwer zugänglichen hinteren Gelenkbereich kann eine Hybridfixation mit resorbierbaren Implantaten sinnvoll sein. Neben der Meniskusrefixation ist die eventuelle Stabilisierung des Gelenks durch eine Kreuzbandplastik notwendig, da sonst durch die persistierende Schubladenbewegung der genähte Meniskus wieder abgeschert wird.

Abb. 2: Meniskusnaht mit Fäden vor dem Knüpfen. Die längsgestellte Rissbildung wird mit Fäden überbrückt, welche anschließend von hinten seitlich über einem kleinen Schnitt geknüpft werden. In diesem Bereich des Meniskus besteht ein ausreichendes Heilungspotential, in chronischen Fällen muss das Gewebe angefrischt werden, sodass Blutungen entstehen. 

Die Nachbehandlung nach Meniskusrefixationen richtet sich nach der konkreten Rissform. Genähte mediale Hinterhornläsionen mit gleichzeitiger Kreuzbandplastik können entsprechend der Kreuzbandnachbehandlung therapiert werden. Nach Naht eines lateralen Längsrisses kann Vollbelastung erfolgen, da der innere, abgerissene Anteil des Meniskus durch das konvexe Tibiaplateau nach außen gedrückt wird. In diesen Fällen ist eine tiefe Beugung unter Last unbedingt für mindestens 3 Monate zu meiden. Nahtfähige Radiär- oder Lappenrisse werden postoperativ meist entlastet.

Tabelle 1: Funktionen der Menisci.

  • Stoßdämpferfunktion (Vergrößerung der Kontaktfläche zwischen femur und tibia)

  • Stabilisator (Agonist zum vorderen Kreuzband- siehe Essay Kreuzband)

  • Verbesserung der Lubrikation (Benetzung des hyalinen Knorpels mit Gelenkflüssigkeit)

Abb. 3 a-f: Komplett arthroskopische Meniskusnaht (Viper, Fr. Arthrex). Erkennbar ist ein äußerer Meniskusriss (a), der nach Abtastung instabil ist (b). Mit einem arthroskopischen Nahtinstrument (c) wird ein Faden durch den Riss transportiert (d). Anschließendes Knüpfen und Abschlussbefund (e, f).