In den letzten 2 Jahrzehnten haben sich die Operationsmöglichkeiten bei fortgeschrittenem Sehnen- oder Gelenkverschleiß des Schultergelenks erheblich entwickelt. Abgenutzte Gelenkflächen des Oberarmkopfes oder der Gelenkpfanne können durch entsprechende künstliche Implantate ersetzt werden. 

Mehrere individuelle Prothesensysteme stehen für bestimmte Probleme zur Verfügung. Abhängig vom Zustand der Sehnen und Muskulatur sowie den knöchernen Gegebenheiten kann die jeweils geeignete Endoprothese eingesetzt werden. 

Überschaubare Knorpelschäden mit sonst intakten Gelenkverhältnissen können mit kleineren, rund geformten Kappen nach dem Baukastenprinzip überkront werden (Typ Hemi-Cup). Liegt ein weitergehender Verschleiß vor, empfehlen wir Patienten mit guten knöchernen Voraussetzungen die Implantation von Kappenprothesen (Typ Eclipse), bei denen kein Prothesenstiel im Oberarmknochen sitzt. Damit wird das Risiko späterer Knochenbrüche unterhalb des Stiels vermindert. Bei ungünstigen Knochenverhältnissen setzt man eine Prothese mit individuell anpassbarem Verankerungsstiel ein (Typ Aequalis). Besonders geformte Prothesenstiele kommen bei komplexen Brüchen zum Einsatz (Frakturprothese). Liegt auch auf der Schulterblattseite, also der Gelenkpfanne, ein ausgeprägter Verschleiß vor, wird zusätzlich eine künstliche Gelenkpfanne aus Kunststoff implantiert. In sehr ausgeprägten Fällen mit weit reichenden Knochen- oder Sehnenschäden ist die Implantation einer Spezialprothese mit Umkehr von Kopf und Pfanne notwendig. 

In der Nachbehandlung ist das Tragen einer Bandage für 2 bis 3 Wochen nach der Operation notwendig. Die während der Operation durchtrennten und wieder zusammengenähten Sehnen müssen in Ruhe ausheilen. Für einen Zeitraum von 6 Wochen nach dem Eingriff sollten passive Bewegungsübungen mit dem operierten Schultergelenk durchgeführt werden. Werden kleinere Prothesensysteme implantiert, können nach etwa 3 Monaten wieder leichtere sportliche Tätigkeiten durchgeführt werden. Patienten mit eingesetzten inversen Prothesen sollten nur Alltagsaktivitäten durchführen.

Humeruskopfnekrose (Durchblutungsstörung mit Knochenuntergang des Oberarmkopfes): Links erkennt man im normalen Röntgenbild nur eine Unregelmäßigkeit, rechts sieht man in der Kernspintomografie (MRT) den Untergang von gelenkbildendem Knochen (Pfeil). In diesem Fall kann eine Kappenprothese (Eclipse) auf der betroffenen Gelenkseite eingesetzt werden. Alle Bänder und Muskeln des Gelenks bleiben erhalten, die Beweglichkeit ist meist sehr gut.

Ausgeprägte Abnutzung des Schultergelenks. Im Röntgenbild rechts zeigt der Pfeil den Verlust des Gelenkspaltes und damit des Knorpels. Im rechten Bild ist eine moderne Kappenprothese implantiert, welche genau dem anatomischen Knochenaufbau folgt. Hohlgewindezüge im Oberarmknochen verankern eine entsprechend geformte Kappe auf der Gelenkoberfläche.

Inverse Prothesenoperation als Wechseloperation: Liegt ein ausgedehnter Knochen- und Weichteilverlust (Pfeile, linkes Bild) vor, kann eine Spezialendoprothese mit Umkehr von Kopf- und Pfannenform (inverse Prothese n. Grammont) eine Besserung der Beschwerden erreichen (rechtes Bild). Die fehlende Weichteilführung wird dann durch die Formgebung der Gelenkpartner erreicht.