Nach Stürzen auf das Schultergelenk kommt es mitunter zur Zerreißung der Bänder zwischen dem Schlüsselbein und dem Schulterdach. Hinsichtlich der Notwendigkeit einer sofortigen Naht oder Verschraubung gibt es kontroverse Vorstellungen. Typisch und von außen erkenn- und tastbar ist ein Hochstehen des äußeren Teils des Schlüsselbeins, was im akuten Fall schmerzhaft ist. 

akute Verletzung: 
Ruhigstellung, Eis, Sportpause (Bandagen bringen keine Besserung)

alte Verletzung: 
lokale Injektionen, Sportartmodifikation

Eine Operation ist nur in ausgeprägten Fällen mit erhöhtem Schlüsselbeinhochstand, einer Instabilität in mehreren Richtungen oder eventuell bei aktiven Patienten notwendig. Die Diagnosestellung erfolgt durch gezielte Röntgenaufnahmen und die klinische Untersuchung. Der Eingriff kann heute arthroskopisch (tight-rope-Technik) ambulant oder kurzstationär erfolgen.  

Operationstechnik

Durch die Operation werden die Bänder zwischen dem Schlüsselbein und dem sog. Rabenschnabelfortsatz des Schulterblatts (coracoclaviculäre Bänder) durch künstliche Bänder ersetzt bzw. geschient. Dazu wird endoskopisch die Fläche unter dem Rabenschnabelfortsatz identifiziert. Anschließend wird mit einem speziellen Zielgerät ein 4 mm-Loch durch Schlüsselbein und Rabenschnabelfortsatz gebohrt. Durch dieses Loch wird ein Plättchen transportiert, welches sich verkippt und in dem Fäden laufen. Ein kräftiger Faden spannt nach dem Flaschenzugprinzip ein weiteres Plättchen (tight rope) oberhalb des Schlüsselbeins. Damit wird das Schlüsselbein an den Rabenschnabelfortsatz gezogen, die verletzten Bänder können heilen. Der Eingriff erfolgt arthroskopisch und erfordert nur einen kleinen Schnitt oberhalb des Schlüsselbeins zum Knoten der Fäden.

Bestehen chronische Instabilitäten des Gelenks, sollte eventuell neues Sehnenmaterial an Stelle der gerissenen Bänder gebracht werden. In diesen Fällen kann die tight-rope-Operation mit einer zusätzlichen Bandversetzungsoperation kombiniert werden. Man kann dazu eine Sehne aus der Knieregion (Grazilissehne) oder andere Sehnen verwenden. Auch dieser Eingriff kann heute meist arthroskopisch erfolgen.

Operationstechnik mit dem tight rope:

Im Rahmen einer Schulterarthroskopie erfolgt die Identifikation der 
Unterkante des Rabenschnabelfortsatzes.

Über einen zunächst platzierten Zieldraht wird ein 4 mm-Loch durch das Schlüsselbein und den Rabenschnabelfortsatz gebohrt.

Der tight rope funktioniert nach dem Flaschenzugprinzip.

Ein Plättchen auf einer Seite des tight rope wird unter dem Rabenschnabelfortsatz verkippt.

Schließlich wird von oben der tight rope schrittweise angezogen und das Schlüsselbein in die ursprüngliche Stellung gebracht.

(Bilder teilweise mit freundlicher Genehmigung der Firma Arthrex, Karlsfeld)

Nachbehandlung

Eine längere Ruhigstellung im Gips oder mit Bandagen ist in der Regel nicht erforderlich. Für einen Zeitraum von 6 Wochen sollten keine endgradigen Bewegungen in Rotation und Abspreizung erfolgen, eine Sportpause für Kontaktsportarten von 3 Monaten ist zu empfehlen.

Erfolgsaussichten

Die arthroskopische Durchführung des Eingriffs erbringt gute Frühresultate mit geringen Gewebsschäden. Trotzdem sind allgemeine Komplikationen, wie Wundheilungsstörungen, eine meist vorübergehende Schultersteife oder eine erneute Instabilität möglich. Es gibt momentan keine vergleichenden Studien zwischen herkömmlichen und arthroskopischen Verfahren, welche langfristig Vorteile der arthroskopischen Technik nachweisen. Besonders ist nicht klar, ob und welche Operation langfristig die Abnutzung des Schultereckgelenks verhindert.